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Autor: Ulrich Lange - Datum: January 04, 2009 05:21:59 PMEin Internatskonzept ohne Kompromisse Kategorie: Deutschland: Hessen „Um ein Kind zu erziehen“, lautet eine alte afrikanische Weisheit, „braucht man ein ganzes Dorf.“ Das Private Pädagogische Institut (PPI) im mittelhessischen Grünberg, im Jahr 1988 als Modellinternat der Zentralstelle für Internatsberatung gegründet, nimmt diesen Satz wörtlich. Seine Eleven wohnen nicht abgeschirmt hinter dicken Schloss- oder Klostermauern, nicht einsam auf einem hohen Berg, im dichten Wald oder auf einer Insel, sondern mitten im historischen Zentrum eines quirligen Gemeinwesens, das mit ca. 6000 Altstadtbewohnern fast noch einen dörflichen Zuschnitt hat, aber sämtliche Annehmlichkeiten eines modernen Handels- und Dienstleistungszentrums bietet. Die Unterbringung entspricht dem heute üblichen privaten Wohnstandard. Je zwei „Internatler“ teilen sich eine 2-Zimmer-Wohnung mit Bad, Mini-Küche/Essplatz und Balkon. Die Mahlzeiten werden in zwei größeren Wohnbereichen, den „Internats-Wohnzimmern“, gemeinsam eingenommen. Hier finden auch Freizeitaktivitäten und die „Vollversammlungen“ zur Besprechung von Internatsinterna statt. Die Integration in ein urbanes Wohnumfeld ist jedoch nicht der einzige Kontrast zu landläufigen Vorstellungen von Internaten. Das PPI rückt in vielerlei Hinsicht vom Bild des „Märchenschlosses für Problemkinder“ ab. Gründe dafür, in der Internatsbetreuung kompromisslos neue Wege zu gehen, gab und gibt es genug. Zunächst stand für die Gründer und Leiter, das Pädagogenehepaar Carmen und Ulrich Lange, die Aufgabe im Vordergrund, eine wesentlich kleinere und individueller betreu-ende bzw. fördernde Einrichtung zu schaffen. Denn im Rahmen ihrer Lehrer- und Erzie-hertätigkeit in einem Deutschen Landerziehungsheim und später durch die Arbeit in der gemeinnützigen Zentralstelle für Internatsberatung hatten sie die Erfahrung gemacht, dass viele – vor allem jüngere – Kinder in der Hackordnung traditioneller Internate untergingen. Um gerade den Sensibleren einen Leidensweg zu ersparen, sollte das PPI einer familienähnlichen Haus- und Lebensgemeinschaft entsprechen, allerdings ergänzt durch ein intensives schulisches Förderprogramm. Als historische Vorbilder dienten etwa die sog. „Vorbereitungsanstalten“ in ländlichen Pfarrhäusern der wilhelminischen Ära. Als aktuelle Modelle boten sich diverse Kleinstinternate in der Schweiz an, die die Eheleute in den 1980er Jahren intensiv bereist hatten.Die erheblichen Turbulenzen auf dem Internatssektor seit Beginn der 1980er Jahre, von denen z.T. auch das PPI nicht verschont blieb, führten immer wieder zu Schärfungen des pädagogischen Profils. So musste eine Antwort gefunden werden auf die dramatischen Fehlentwicklungen in den Internaten, die der Drogen- und Gewaltexzesse und des Verfalls der schulischen Leistungen kaum noch Herr wurden. Daher widerstanden die Gründer der Versuchung, das Internat in der Euphorie der Aufbaujahre ständig zu vergrößern. Die niedrige Zahl der Belegplätze (heute max. 10) ermöglichte es, bei Aufnahme und Verbleib von SchülerInnen wesentlich strengere Maßstäbe anzulegen und so die Etablierung krimineller Subkulturen zu verhindern. Die sorgfältigere Schülerauswahl wurde flankiert durch eine Null-Toleranz-Strategie gegenüber Drogen jeglicher Art (auch Nikotin und Alkohol), die auch Oberstufenschüler zu vollständiger Abstinenz verpflichtete. Bis heute ist das PPI bundesweit das einzige Internat mit einem derart kompromisslosen Anti-Drogen-Konzept.Besonderes Augenmerk richtete das PPI auf die individuelle schulische Förderung. Bot die Zusammenarbeit mit der örtlichen integrierten Gesamtschule schon beste Voraussetzungen für eine begabungsgerechte Differenzierung der Anforderungen, so musste für die in den Internaten oft sträflich vernachlässigte schulergänzende Betreuung (Hausaufgaben, Vorbereitung auf Klassenarbeiten, Aufarbeitung von Kenntnisdefiziten aus früheren Schuljahren) ein effektiveres Konzept gefunden werden. Das PPI hatte den Mut, der vielfach beklagten Marginalisierung des Schulischen in den Internaten konsequent entgegen zu treten. Die sogenannte Studierzeit rückte mit einer einstündigen Vorberei-tungszeit zur Erledigung der mündlichen Aufgaben (Zimmerstudium) und der daran anschließenden 2-stündigen Lernzeit mit Einzelbetreuung (Coaching-Prinzip) klar in den Mittelpunkt der Nachmittags-Aktivitäten. Das internatstypische „Nachtleben“ wurde im Interesse des Ruhebedürfnisses der Schüler und der lernphysiologischen Erfordernisse radikal unterbunden. Entsprechend der banalen Erkenntnis, dass sich die Zensuren nicht durch Reiten, Segeln, Golf und Tennis bessern, erhielten Freizeitaktivitäten den Rang von Belohnungen für schulische Pflichterfüllung. Dem Bild des Internats als „Hedonistenheim“ für Vergnügungssüchtige und Freizeitzentrum mit gelegentlichem Unterrichtsbetrieb wurde damit ohne Rücksicht auf die Eigenwerbung der gehobenen Konkurrenz eine radikale Absage erteilt.Dieser Artikel wird unterst¨tzt von: |
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